Gesundheitsinformationen sind heute nur wenige Klicks entfernt. Doch welche sind wirklich verlässlich? Gesundheitskompetenz hilft dabei, Informationen richtig einzuordnen und gute Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen.
Gesundheitsinformationen sind heute nur wenige Klicks entfernt. Doch welche sind wirklich verlässlich? Gesundheitskompetenz hilft dabei, Informationen richtig einzuordnen und gute Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen.
Kopfschmerzen seit einigen Tagen. Eine neue Diagnose. Ein auffälliger Laborwert. Viele Menschen greifen heute als Erstes zum Smartphone. Innert Sekunden erscheinen unzählige Suchergebnisse, Videos auf Social Media, Erfahrungsberichte, Podcasts oder Antworten von KI-Anwendungen. Gesundheitsinformationen waren noch nie so leicht zugänglich wie heute.
Gleichzeitig wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Welche Informationen sind wissenschaftlich fundiert? Welche beruhen auf persönlichen Erfahrungen? Und wann ist es sinnvoll, eine Ärztin oder einen Arzt beizuziehen? Damit wir diese Informationen einordnen und verarbeiten können begleitet uns die Gesundheitskompetenz.
Finden → Verstehen → Beurteilen → Entscheiden
Dass der Umgang mit Gesundheitsinformationen vielen Menschen schwerfällt, ist kein Zufall – unser Gesundheitswesen und unser Alltag sind heute so vielschichtig wie nie.
Das Careum Zentrum für Gesundheitskompetenz nennt im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit vier Entwicklungen, die uns besonders herausfordern:
Wie gross die Herausforderung tatsächlich ist, zeigt der Health Literacy Survey Schweiz 2019-2021 deutlich. Die im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit durchgeführte Studie untersucht die Gesundheitskompetenz der Schweizer Bevölkerung. Dabei wird klar: 49 Prozent der Schweizer Bevölkerung berichten von häufigen Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen – ein leicht höherer Wert als im internationalen Durchschnitt (46 %).
Die Studie zeigt zudem: Rund drei Viertel der Bevölkerung haben Schwierigkeiten, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden. Am schwersten fällt es den Befragten, die eigenen Rechte als Patientin oder Patient zu kennen: 64 Prozent geben hier Schwierigkeiten an – ein deutlich höherer Wert als im europäischen Durchschnitt (52 %). Auch das Verstehen aktueller Gesundheitsreformen (60 %) oder die Einschätzung, ob ein Leistungserbringer den eigenen Erwartungen entspricht (59 %), gehören zu den grössten Stolpersteinen.
Diese Zahlen machen deutlich: Es geht nicht darum, dass wir zu wenig wissen wollen. Es geht darum, dass unser Gesundheitssystem und die Informationsflut rundherum echte Navigationskompetenz verlangen.
Die gute Nachricht zuerst: Gesundheitskompetenz ist keine feste Grösse, sondern lässt sich gezielt stärken – bei jedem Menschen, in jedem Alter. Die Verantwortung dafür liegt aber nicht allein bei Ihnen. Bund, Kantone, Fachpersonen und Unternehmen im Gesundheitswesen – auch wir als Aquilana – sind gleichermassen gefordert, verständliche Informationen und einfache Zugänge zu schaffen.
Für uns bedeutet das konkret: verständliche Sprache statt Fachchinesisch, transparente Informationen zu Leistungen, Kosten und Ansprechpersonen, die sich Zeit für Ihre Fragen nehmen. Gesundheitskompetenz entsteht nicht im Alleingang, sondern im Austausch zwischen Ihnen, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und Gesundheitspartnern wie Ihrer Apotheke und Ihrer Krankenversicherung.
Gleichzeitig können auch Sie selbst einiges tun, um Ihre Gesundheitskompetenz im Alltag zu stärken:
Besonders die Informationsbeschaffung über digitale Quellen bereitet vielen Menschen Mühe: Rund drei Viertel der Schweizer Bevölkerung haben Schwierigkeiten im Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationen. Ob auf Internetseiten, in sozialen Medien, bei digitalen Geräten, Gesundheits-Apps oder im Austausch mit Gesundheitsdienstleistern.
Besonders bemerkenswert: Gerade Menschen mit geringerer digitaler Gesundheitskompetenz nutzen digitale Quellen als erste Anlaufstelle sogar häufiger als Menschen mit hoher Kompetenz (60 % gegenüber 51 %). Wer sich mit digitalen Informationen schwertut, sucht paradoxerweise besonders oft dort zuerst – ein Grund mehr, hier genau hinzuschauen.
Auch künstliche Intelligenz verändert, wie wir mit Gesundheitsinformationen umgehen. Anwendungen wie ChatGPT oder Gemini liefern heute in Sekunden unzählige Informationen und können bei der Recherche unterstützen. Zum Beispiel indem sie medizinische Begriffe erklären, beim Formulieren von Fragen helfen oder Informationen zusammenfassen. Für Diagnosen oder Therapieentscheide eignen sie sich jedoch nicht. Jede gesundheitliche Situation ist individuell und sollte immer mit einer medizinischen Fachperson besprochen werden.
Ähnliches gilt für Inhalte auf Social Media. Nicht jede Person mit grosser Reichweite verfügt über medizinisches Fachwissen. Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn Heilversprechen gemacht oder gleichzeitig Produkte verkauft werden. Auch hier gilt: Informationen kritisch hinterfragen, statt sie ungeprüft zu übernehmen.
Bevor Sie Gesundheitsinformationen übernehmen oder weitergeben, lohnt sich ein kurzer Faktencheck.
Wer veröffentlicht die Information?
Werden wissenschaftliche Quellen genannt?
Stimmen mehrere unabhängige Fachstellen überein?
Ist die Information aktuell?
Werden Wunderheilungen versprochen oder Produkte verkauft?
Durch diese Fragen kristallisiert sich heraus, ob die Information vertrauenswürdig ist.
Gesundheitskompetenz bedeutet letztlich nicht, auf jede Frage sofort eine Antwort zu kennen. Sie bedeutet, zu wissen, wo man verlässliche Informationen findet, wann man kritisch hinterfragen sollte und mit wem man Gesundheitsentscheidungen gemeinsam trifft.
Gemäss der Schweizer Health Literacy Survey 2019-2021 haben Menschen mit einer höheren Gesundheitskompetenz tendenziell einen gesünderen Lebensstil, schätzen ihren Gesundheitszustand besser ein und nutzen das Gesundheitssystem seltener.
Wer sich regelmässig über Gesundheitsthemen informieren möchte, findet bei SRF PULS sorgfältig recherchierte Beiträge zu aktuellen medizinischen Fragestellungen. Fachpersonen ordnen neue Erkenntnisse verständlich ein und zeigen Chancen sowie Grenzen von Behandlungen auf – ohne Sensationslust oder Werbeversprechen.
Mehr Informationen:
www.srf.ch/sendungen/puls